Bei Gleitzeit legen Sie Beginn und Ende Ihres Arbeitstages selbst fest, innerhalb eines Rahmens, den der Betrieb vorgibt. Wer um 7 Uhr anfängt, geht um 15:30 Uhr, wer um 9 Uhr kommt, bleibt bis 17:30 Uhr. Am Ende zählt, dass die vereinbarten Stunden über die Woche oder den Monat zusammenkommen. Dieser Artikel erklärt die Begriffe und die üblichen Modelle und rechnet eine Woche mit Plus- und Minusstunden durch.
Was Gleitzeit bedeutet
Gleitzeit trennt zwei Dinge, die sonst zusammenhängen: wie lange jemand arbeitet und wann. Die Dauer bleibt vereinbart, zum Beispiel 40 Stunden pro Woche. Wann am Tag gearbeitet wird, ist flexibel. Was ein Tag mehr oder weniger bringt, landet auf einem Zeitkonto und wird an anderen Tagen ausgeglichen.
Damit das im Team funktioniert, braucht jede Gleitzeitregelung drei Angaben: in welchem Zeitfenster überhaupt gearbeitet werden kann, ob es Stunden gibt, in denen alle da sind, und wie viel Plus oder Minus auf dem Konto stehen darf.
Die Begriffe: Rahmenzeit, Kernzeit, Gleitspanne
- Rahmenzeit: das äußere Fenster, zum Beispiel 06:00 bis 20:00. Arbeit davor oder danach zählt nur, wenn sie ausdrücklich angeordnet ist.
- Kernzeit (auch Kernarbeitszeit): die Stunden, in denen alle anwesend sind, zum Beispiel 09:00 bis 15:00. Mehr dazu im Artikel Kernarbeitszeit.
- Gleitspanne: die Zeit zwischen Rahmen und Kern, in der Sie Beginn und Ende frei wählen. Im Beispiel 06:00 bis 09:00 morgens und 15:00 bis 20:00 abends.
- Sollzeit: was pro Tag, Woche oder Monat vereinbart ist. Bei 40 Stunden und fünf Tagen sind das 8 Stunden pro Tag.
- Gleitzeitkonto: die laufende Differenz zwischen gearbeiteter Zeit und Sollzeit.
- Gleittag: ein ganzer freier Tag, für den Plusstunden vom Gleitzeitkonto abgebucht werden.
- Zeitausgleich (ZA): so heißt in Österreich die Freizeit für Plusstunden, als ganzer Tag oder als einzelne Stunden. Mehr im Artikel Zeitausgleich.
Gleitzeitmodelle im Überblick
Die Namen der Modelle sind nicht einheitlich: Was der eine Ratgeber „einfache Gleitzeit“ nennt, heißt beim nächsten „Gleitzeit mit Kernzeit“. Hilfreicher ist die Frage: Was ist frei wählbar, was bleibt fest?
| Modell | Frei wählbar | Fest | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Gleitender Beginn | Beginn innerhalb einer Spanne | Dauer pro Tag, Ende folgt daraus | Teams mit unterschiedlich langen Anfahrtswegen |
| Gleitzeit mit Kernzeit | Beginn und Ende in der Gleitspanne | Kernzeit, Wochensoll | Büro, Verwaltung, Disposition |
| Gleitzeit ohne Kernzeit | Beginn, Ende und Dauer pro Tag | Rahmenzeit, Wochen- oder Monatssoll | Eigenständige Aufgaben mit wenig Abstimmung |
| Funktionszeit | Wer wann arbeitet, klärt das Team | Eine Funktion ist besetzt, etwa die Hotline 08:00 bis 18:00 | Service, Empfang, Innendienst |
| Jahreszeitkonto | Stunden pro Woche schwanken mit der Saison | Jahressoll | Saisonbetriebe, Gastronomie mit Sommer- und Wintergeschäft |
Die Funktionszeit ist das Modell, das Schichtbetrieben am nächsten kommt: Es zählt, dass zu jeder Stunde genug Personen für die Aufgabe da sind. Wer genau, regelt das Team.
Beispiel: eine Gleitzeitwoche durchgerechnet
Sollzeit 8 Stunden pro Tag, 40 pro Woche, Rahmenzeit 06:00 bis 20:00, Kernzeit 09:00 bis 15:00. Die Pause wird von der Anwesenheit abgezogen, erst dann wird mit dem Soll verglichen.
| Tag | Kommen | Gehen | Pause | Ist | Saldo |
|---|---|---|---|---|---|
| Montag | 07:00 | 16:00 | 30 Min. | 8:30 | +0:30 |
| Dienstag | 08:30 | 17:30 | 45 Min. | 8:15 | +0:15 |
| Mittwoch | 09:00 | 15:30 | 30 Min. | 6:00 | −2:00 |
| Donnerstag | 07:15 | 17:00 | 30 Min. | 9:15 | +1:15 |
| Freitag | 08:00 | 15:00 | 30 Min. | 6:30 | −1:30 |
| Woche | 38:30 | −1:30 |
Die Woche endet mit anderthalb Stunden Minus, als Dezimalzahl −1,5. Stand das Konto vorher bei +4:00, steht es jetzt bei +2:30. Alle Tage liegen innerhalb der Rahmenzeit und decken die Kernzeit ab, die Woche hält sich also an die Regeln, auch wenn die Stunden nicht ganz aufgehen. Wie Sie solche Werte als Kommazahl schreiben, ohne Minuten zu verlieren, erklärt der Artikel Dezimalstunden und Industrieminuten.